Bei der diesjährigen MeisterInnenbrief-Verleihung, die am Schulschlusstag, 08. Juli 2022, im Steiermarkhof über die Bühne ging, erhielten 45 frisch geprüfte MeisterInnen in vier verschiedenen landwirtschaftlichen Ausbildungssparten ihren MeisterInnenbrief. Aufgrund der Covid-19 Pandemie fand auch im heurigen Jahr die Verleihung der MeisterInnen-Zertifikate in kleinerem Rahmen statt. Der Freude über den erzielten höchsten Berufsabschluss und über den Erhalt der MeisterInnenbriefe aus den Händen von Agrarlandesrat Johann Seitinger, Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Titschenbacher und Landarbeiterkammer-Präsident Eduard Zentner tat das allerdings keinen Abbruch.

500 Stunden Ausbildung wurden beim „MeisterInnen-Schulschluss“ prämiert

Die feierliche MeisterInnenbriefverleihung, die unter dem Motto „MeisterInnen-Schulschluss 2022“ stand, bildete den krönenden Abschluss der rund 500-stündigen Ausbildung. Im Frühjahr 2022 absolvierten sechs Frauen und 39 Männer in vier verschiedenen Sparten erfolgreich die MeisterInnenprüfung. Neben den üblichen Abschlüssen in „Landwirtschaft“ und „Forstwirtschaft“ legten im heurigen Jahr auch KandidatInnen die MeisterInnenprüfung in den Sparten „Geflügelwirtschaft“ sowie „Gartenbau“ positiv ab. Agrarlandesrat ÖR Johann Seitinger unterstrich in seiner Grußbotschaft die Rolle der Landwirtschaft als verlässlicher Partner für die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und Rohstoffen. Als besondere Herausforderung gilt es dabei unabhängiger und autark zu werden. Kammerpräsident ÖR Franz Titschenbacher brach eine Lanze dafür, dass die Politik auch in Zukunft eine produzierende Landwirtschaft ermöglicht und die Leistungen der Landwirtschaft in der Gesellschaft entsprechende Akzeptanz finden wird.

„MeisterInnen-Schulschluss“ – eine Schulschluss-Bilanz

Die MeisterInnen-Ausbildung ist die höchste Ausbildung für PraktikerInnen in der Land- und Forstwirtschaft. Die 45 neuen steirischen MeisterInnen zeigten in ihrer Ausbildung besonderes Engagement. So schlossen 31% der KandidatInnen die Ausbildung mit einem ausgezeichneten Erfolg ab (= Notenschnitt von 1,00 bis 1,50 und kein Genügend im Zeugnis). Weitere 36% erzielten einen guten Abschlusserfolg (= Notenschnitt zwischen 1,51 und 2,00). Eine Leistungsbilanz, die eindeutig ein „Sehr gut“ verdient.

Auch punkto Vorbildung und Durchlässigkeit ist das land- und forstwirtschaftliche Berufsausbildungssystem ein Erfolgsmodell. 27 der 45 KandidatInnen absolvierten vor der MeisterInnenausbildung eine dreijährige Fachschule für Land-, Forst- bzw. Ernährungswirtschaft. Insgesamt sogar 28 KandidatInnen schlossen eine landwirtschaftliche Berufsausbildung im zweiten Bildungsweg (FacharbeiterInnenausbildung aufbauend auf mehrjährige Praxis, Intensiv-Vorbereitungslehrgang und FacharbeiterInnenprüfung) ab. Das unterstreicht, dass viele MeisterkandidatInnen bereits über mehrere landwirtschaftliche Facharbeiterabschlüsse verfügen. Auch Lebenslanges Lernen ist im landwirtschaftlichen Ausbildungssystem kein Fremdwort. Die/Der durchschnittliche MeisterIn ist 29 Jahre und 8 Monate alt. Das Alter der KandidatInnen reicht dabei von 23 bis 54 Jahre. Lediglich bei der Geschlechterverteilung besteht ein gewisser Aufholbedarf. Lediglich 13% der AbsolventInnen waren 2022 Frauen.

Drei MeisterInnen des Jahres gekürt

Drei KandidatInnen überzeugten durch besonders gute Leistungen und großes Engagement bei den diesjährigen MeisterInnenlehrgängen. Sie wurden zu den „MeisterInnen des Jahres“, die im November im Rahmen des BundesmeisterInnentags vom Landwirtschaftsministerium gesondert geehrt werden, gekürt. Anna Höller aus Geistthal, Mitarbeiterin bei der Gärtnerei Zwanzger, überzeugte in ihrer MeisterInnenausbildung Gartenbau. Die 29-jährige Weststeirerin darf sich ebenso über diese Auszeichnung freuen wie Herbert Fuchs aus Jochberg im Bezirk Kitzbühel. Der 41-jährige Tiroler schloss in der Steiermark die MeisterInnenausbildung Forstwirtschaft als Bester seines Lehrgangs ab. Herausragend präsentierte sich ebenfalls Thomas Trummer aus Grambach (GU). Mit seinen 31 Jahren hat er neben einer Tischlerlehre, der landwirtschaftlichen FacharbeiterInnenausbildung im zweiten Bildungsweg sowie nun der landwirtschaftlichen MeisterInnenausbildung bereits eine Tischlerei-MeisterInnenschule erfolgreich abgeschlossen. Die MeisterInnenprüfung Landwirtschaft gelang ihm als einzigen Kandidaten des Abschlussjahrgangs 2022 mit einem Notenschnitt von 1,00.

Die Krönung der landwirtschaftlichen Berufsausbildung

Die MeisterInnenausbildung, die sich auf drei Ausbildungswinter erstreckt, ist die höchste Ausbildung für PraktikerInnen in der Land- und Forstwirtschaft. Die AbsolventInnen eignen sich sowohl betriebswirtschaftliche, rechtliche als auch spezielle fachliche Kompetenzen in den jeweiligen Ausbildungsbereichen an. Darüber hinaus gilt es während der Ausbildung, eine 50-seitige MeisterInnenarbeit zu erstellen, sowie betriebliche Buchführungsaufzeichnungen zu führen.

Aufgrund der Covid-19 Pandemie wurde die MeisterInnenbrief-Verleihung in Form einer Verleihungsveranstaltung mit knapp 200 TeilnehmerInnen, gemeinsam mit den engsten Familienangehörigen, durchgeführt. Der traditionelle MeisterInnenball, bei dem bis zu 1.000 BesucherInnen die landwirtschaftlichen Ausbildungsabschlüsse feierten, musste bereits zum dritten Mal abgesagt werden.