Kärntnerin des Tages

Birgit Hochsteiner (43) erhält den ersten Meisterbrief für Betriebs- und Haushaltsmanagement. Sie führt mit Ehemann Bauernhof in Weitensfeld.
kdt_726_phino.jpg © ArchivGrößer Wie sich die Haushaltskosten entwickeln, wenn die Kinder größer werden, wie viel Ersparnis selbst produzierte Lebensmittel einbringen, wie hoch der Abnutzungsgrad der Geräte und Maschinen ist und ob der Eigenkapitalpolster für den Bau eines neuen Stalles reicht - all das hat Birgit Hochsteiner (43) per Mouseklick parat. Ihre betriebsinterne Buchhaltung bezieht sich auf Bauernhof und Privatverbrauch.
 
Die Bäuerin mit Gymnasium- und Tourismus-Kolleg-Abschluss weiß auch, wie viel Zeit sie täglich im Stall, auf dem Feld, auf dem Traktor, im Garten oder in der Küche zubringt und wie viel ihr abends noch zum Lesen bleibt. Am Samstag erhält Hochsteiner als Sprecherin des ersten Lehrgangs mit neuer Ausbildung und Berufsbezeichnung mit zehn anderen Bäuerinnen den Meisterbrief als Meisterin für Betriebs- und Haushaltsmanagement, was bisher Meisterin für ländliche Hauswirtschaft hieß.
 
An der neuen Bezeichnung hat Hochsteiner, der die besten Ideen oben im luftigen Stadl einfallen, tatkräftig mitgewirkt. "Der Bauernhof ist heute ein Unternehmen, in dem man zielgerichtet vorgehen muss", weiß die dreifache Mutter, die jeden Morgen um 5.30 Uhr aufsteht, um die 18 Milchkühe zu versorgen, während ihr Gatte als Forst- und Energiewirt das zweite Standbein absichert. Durch den zweieinhalbjährigen Kurs habe sie nicht nur Kalkulation und besseres Zeitmanagement gelernt, sondern auch rhetorische Fähigkeiten und Auftreten in der Öffentlichkeit erprobt. Den wertvollen Austausch mit den Kolleginnen möchte sie auf jeden Fall beibehalten, erzählt die leidenschaftliche Köchin, die gerne Neues ausprobiert, manchmal Fleisch mit Früchten kocht und das gemeinsame Essen mit der Familie ebenso zelebriert wie Rituale im Jahreslauf.
 
Zurzeit lernt sie Slowenisch, weil ihr Weiterbildung wichtig ist. Die Liebe zu ihrem Beruf, in dem sie mit den Jahreszeiten leben und den Kindern nahe sein kann, lässt sie Urlaub gar nicht vermissen. Auszeit nimmt sich die Naturliebhaberin daheim, beim Nordic Walking, Ski- und Radfahren. "Sich selbst etwas Gutes tun, ist wichtig." Auch das hat sie in der Ausbildung gelernt.
Autor:
ELKE FERTSCHEY, Kleine Zeitung
25.02.2012